Mark Schwab, CEO des größten Airline-Verbundes Star Alliance, spricht mit dem Aeroscope Luftfahrt-Experten Kurt Hofmann am Rande des Star Alliance Meetings in Taipeh anlässlich des EVA Air Beitritts über die aktuellen Entwicklungen in dem Airline-Verbund.
Spanair ging Pleite, BMI wird aufgelöst, Adria Airways hat wirtschaftlich überhaupt keine Daseinsberechtigung mehr ... Auch Star Alliance Mitglieder sind nicht vor dramatischen Entwicklungen sicher. Oder ist es manchmal gar nicht so schlecht, wenn kleine Partner verschwinden?
Schwab: Nein, das es gut ist, wenn uns manchmal kleine Carrier verlassen, ist nicht die richtige Antwort. Wir waren bezüglich Spanair enttäuscht und vor allem überrascht, dass das Unternehmen den Markt so plötzlich verlassen hat. Das Management der Spanair war eigentlich gut unterwegs, um eine Lösung zu entwickeln.
Mark Schwab, CEO des größten Airline-Verbundes Star Alliance, spricht mit dem Aeroscope Luftfahrt-Experten Kurt Hofmann am Rande des Star Alliance Meetings in Taipeh anlässlich des EVA Air Beitritts über die aktuellen Entwicklungen in dem Airline-Verbund.
Spanair ging Pleite, BMI wird aufgelöst, Adria Airways hat wirtschaftlich überhaupt keine Daseinsberechtigung mehr ... Auch Star Alliance Mitglieder sind nicht vor dramatischen Entwicklungen sicher. Oder ist es manchmal gar nicht so schlecht, wenn kleine Partner verschwinden?
Schwab: Nein, das es gut ist, wenn uns manchmal kleine Carrier verlassen, ist nicht die richtige Antwort. Wir waren bezüglich Spanair enttäuscht und vor allem überrascht, dass das Unternehmen den Markt so plötzlich verlassen hat. Das Management der Spanair war eigentlich gut unterwegs, um eine Lösung zu entwickeln. Aber in der letzten Minute, hat die Regierung (von Katalonien, welche Spanair unterstützte, Anm.) anders entschieden. Das kreiert natürlich Herausforderungen für uns. Aber es ist ja so: Zum Einen findet Konsolidierung statt, und das bewegt natürlich die Branche. Wir waren diesbezüglich in der Vergangenheit oft auf der bevorzugten Seite. Aber nun sind wir auch betroffen, wie etwa durch den Verkauf der BMI (an die IAG Gruppe, British Airways/Iberia, Anm). Hinzu kommt natürlich das gesamte schwierige Umfeld für die Airlineindustrie, das die ganze Branche beeinflusst. Unsere Mitglieder bringen kollektiv Stärke in den Verbund, auch dank bilateraler Kooperationen. Wir erarbeiten gemeinsame kostensenkende Maßnahmen und so weiter. Wenn wir in eine solche Situation wie in Spanien geraten, muss man sich damit auseinandersetzen. Es entstehen wieder weiße Flecken in unserem globalen Netzwerk, dann muss man wieder von vorne beginnen und darüber nachdenken, wie man diese wieder füllen kann.
Sind Allianzen noch modern? Man sieht mehr Fusionierungen, die eine gewisse Sogwirkung auf andere Allianz-Mitglieder ausüben könnten.
Schwab: Ich denke, die Konsolidierung kommt richtig in Schwung. Der Zug hat sich sozusagen in Bewegung gesetzt. Natürlich, in der Zusammenarbeit in unserer Allianz ergeben sich Diskussionen, die können zu Joint Ventures führen und dann auch zu Zusammenschlüssen. Wir haben als Beispiel die Lufthansa Gruppe, oder Continental und United Airlines. Ich glaube, dass es mehr derartige Mergers geben wird. Aber die Grundlage sind immer intensive Kooperationen, und ohne die kommt keine Airline in diesen Zeiten aus.
Kann Star Alliance beim Thema ETS (Emissionshandel) gegensteuern?
Schwab: Wir sind eine kommerzielle Organisation. ETS ist ein politisches Thema, und somit ein Thema für die IATA. Wir wollen uns auf die kommerziellen Angenden konzentrieren.
Ihr Vorgänger Jaan Albrecht, nunmehr CEO von Austrian Airlines, versucht mehr Fluglinien nach Wien zu bekommen. Hat er da in Zeiten von Einsparungen und hohen Treibstoffpreisen Chancen?
Schwab: Im aktuellen ökonomischen Umfeld ist der Aufwand größer, eine neue Strecke in die Profitabilität zu bringen. Normalerweise wollen Fluglinien auf den richtigen Moment warten, um Marktchancen wahrnehmen zu können. Wenn heute die Treibstoffpreise schnell steigen, kann man die Expansionstätigkeit nicht im selben Maße reduzieren. Es dauert also länger, bis das Investment in eine neue Strecke Früchte trägt. Die Arbeit von Jaan, mit Flughäfen und Behörden zu reden, um Kosten für alle zu senken, ist eine gute Sache. Daher wird so manche Airline einen Anflug nach Wien prüfen.
Das wichtigste Allianz-Thema: In welche Allianz begibt sich nach der Fusion der chilenischen LAN (Oneworld) und TAM (Star Alliance) der neu entstandene südamerikanische Marktriese? Die Airline Chefs der Oneworld bemühen sich intensiv darum, LAN in der Allianz zu halten.
Schwab: ... und ich tue dasselbe, um sie in unserer Allianz zu halten. Wir sind nicht mehr weit weg von einer Entscheidung. Aber auch Star hat eine sehr strenge Zeitvorgabe bei der Weiterentwicklung.
Der künftige Star Partner Air India hat die Aufnahme-Kriterien nicht erfüllt, und auch im wichtigen Markt Russland fehlt es noch an Partnerschaften. Ihr Kommentar dazu?
Schwab: Der Markt in Indien wird durch einige sehr außergewöhnliche Umstände beeinflusst. Die Luftfahrt sah eine sehr schnelle Expansion, es gibt Probleme mit der Infrastruktur, kombiniert mit den Schwierigkeiten generell in der Luftfahrt. Zudem leiden die Airlines unter einer hohen Steuerbelastung. Unser Standpunkt: Indien ist eine Region, welche von Star Alliance umfassend bedient wird. Viele unserer Fluglinien sind dort, aber wir benötigen die Mitgliedschaft einer indischen Fluglinie. Wir müssen etwas warten, bis sich die Situation dort stabilisiert. Zum Thema Russland: Das Land steht immer auf der Liste, aber es ist nicht mehr viel übriggeblieben (punkto Airlines für eine Allianz, Anm.). Wir werden jedoch das richtige Mitglied finden. Früher oder später.
Und die Situation der Star Alliance in China?
Schwab: Da sind wir sehr stark. SkyTeam hat China Southern and China Eastern. Wir sind gut im Norden und im Süden des Landes vertreten – und bald mit unserem Partner EVA Air von Taiwan aus.
Manche ihrer Kollegen behaupten, dass es zu viele Drehkreuze in Europa gibt. Wie sehen Sie da?
Schwab: Europa hat ungefähr dieselbe Größe wie die USA. Und dort gibt es mehr Drehkreuze. Somit gibt es auch noch in Europa Spielraum.